Ungefähr 80.000 mal pro Jahr in Deutschland kommt es zu einem Kreuzbandriss, wobei meist das vordere Kreuzband betroffen ist. Ist das Kreuzband einmal gerissen, kann dieses das Kniegelenk nicht mehr stabil führen. Nicht selten kommt es dadurch zu Unsicherheiten und Schlingerbewegungen im Knie.
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Im Folgenden erklären wir dir, was ein Kreuzbandriss ist, wie es zu solch einem kommt und welche Therapiemöglichkeiten in Frage kommen. Darüber hinaus gehen wir auf von Kreuzbandriss-Patienten häufig gestellte Fragen ein.
Themen im Überblick:

- Kreuzbandriss: kurz erklärt
- Ursachen für Kreuzbandrisse
- Therapie von Kreuzbandrissen
- Operation bei Kreuzbandriss
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Rehabilitation nach Kreuzbandriss
Unterthemen
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Phase 1: Die ersten Tage & Krafttraining
Unterthemen
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Was darf ich nach der OP machen?
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Welche Übungen kann ich in den ersten Tagen absolvieren?
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Streckung nach Kreuzband-OP
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Krafttraining nach Kreuzband-OP
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Wann kann ich mit Krafttraining starten?
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Kniebeuge nach Kreuzbandriss
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Wann kann ich wieder voll belasten?
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Wann kann ich wieder gehen?
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Stabilitätstraining & Koordination
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Autofahren nach Kreuzbandriss-OP
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Welche Trainingstools sind hilfreich?
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Phase 2: Agilitytraining & Dynamik
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Phase 3: Sprungtraining
Unterthemen
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Phase 4: Joggen nach Kreuzbandriss
Unterthemen
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Phase 5: Wiedereinstieg in den Sport
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- Komplikationen nach Kreuzbandriss
- Arthrose nach einem Kreuzbandriss
- Prävention von Kreuzbandrissen
Kreuzbandriss: kurz erklärt
Die wichtigsten Aspekte, die du zum Thema Kreuzbandriss wissen solltest. In dem Video geht es um die Anatomie, die Operation und die Meilensteine in der Reha bis zur Rückkehr in den Sport.
Und weil es so viel Spaß macht, hier auch noch ein Podcast für unterwegs. Mit Phillip rede ich über meinen eigenen Erfahrungen und gebe Tipps und Tricks, insbesondere zu den Themen Verletzungen und OP. Dieser Teil ist noch sehr unabhängig von Volleyball und daher auch für nicht Volleyballer absolut interessant! 😉 In der Folge 126 machen wir einen Deep Dive in das Thema „sportspezifische Reha“.
Was ist eigentlich ein Kreuzbandriss?
Das vordere Kreuzband befindet sich im Knie und ist mit dem hinteren Kreuzband ein maßgeblicher Stabilisator des Kniegelenks. Der Name rührt vom Verlauf dieser beiden Strukturen, denn sie „kreuzen“ sich. Das vordere Kreuzband verläuft vom hinteren Teil des Kondylus des Oberschenkelknochens zum vorderen Teil des Unterschenkelknochens. Ist das Kreuzband gerissen, redet man vom Kreuzbandriss oder auch von einer Kreuzbandruptur. Ist es allerdings nur angerissen, handelt es sich um einem Kreuzbandanriss.
Ursachen für Kreuzbandrisse
Wie entsteht ein Kreuzbandriss?
Für gewöhnlich gibt es drei Unfallmechanismen, die einen Kreuzbandriss provozieren.
Die häufigste Bewegung ist die Valgusbewegung. Dabei kollabiert das Knie nach innen. Zwei weitere typische Unfallmechanismen sind die Innenrotation des Unterschenkels mit „knartschende“ Geräuschen sowie ein extrem starker Vorschub des Unterschenkelknochens.
Die vordere Schublade passiert zum Beispiel beim starken Abbremsen nach einem Sprint oder durch den Skischuh bei einem Unfall. Die Valgusbewegung passiert insbesondere bei Landungen und Täuschversuchen. Die Innenrotation durch eine hohe Bodenhaftung wie beispielsweise bei Stollenschuhen im Fußball.
Warum haben Fußballer so häufig Kreuzbandrisse?
Fußballer gehören mit zu den Spitzenreitern bei Kreuzbandrissen. Hierzu tragen wahrscheinlich diverse Faktoren bei. Problematisch sind muskuläre Ungleichgewichte und die hohe Haftung mit dem Boden durch die Stollenschuhe.
Warum haben Skifahrer so häufig Kreuzbandrisse?
Ski fahren ist die Risikosportart Nummer 1 für Kreuzbandrisse. Die hohen Geschwindigkeiten und die langen Hebel durch Ski und Schuhwerk führen zu extrem hohen Kräften auf das Kniegelenk. Es gibt aber ein paar Faktoren, die man beachten kann, wenn man auf die Piste geht.
Warum haben Frauen häufiger Kreuzbandrisse?
Frauen sind 6-7x häufiger betroffen als Männer. Dabei werden verschiedene Faktoren in der Literatur diskutiert. Dazu gehören anatomische Faktoren wie die Beckengröße, neuromuskuläre Faktoren wie die Kraft und hormonelle Faktoren durch den Zyklus. Bis dato gibt es aber noch keinen Konsens.
Warum reißt häufig der Meniskus ein, wenn das Kreuzband reißt?
Ein Kreuzbandriss entsteht häufig durch eine plötzliche Dreh- oder Stoppbewegung des Kniegelenks. Dabei wirken gleichzeitig starke Kräfte auf die Strukturen im Knie. Ist das vordere Kreuzband gerissen, kann sich der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel vermehrt nach vorne verschieben und rotieren. Dadurch kann der Meniskus – insbesondere bei zusätzlichen Drehbewegungen – hohen Scher- und Druckkräften ausgesetzt sein und ebenfalls verletzt werden. Deshalb treten Kreuzband- und Meniskusverletzungen häufig gemeinsam auf.
Wenn nicht nur das Kreuzband reißt: Unhappy triad
Bei einer Unhappy Triad sind gleichzeitig das vordere Kreuzband (VKB), das Innenband (mediales Kollateralband) und der Innenmeniskus verletzt. Typischerweise entsteht diese Verletzung durch eine Kombination aus Valgusbelastung und Rotation des Kniegelenks, beispielsweise bei einer abrupten Richtungsänderung im Sport.
Kann man Kreuzbandrisse verhindern?
Viele glauben, dass ein Kreuzbandriss reiner Zufall ist. Doch ist das wirklich so? Könnte man Kreuzbandrisse eventuell sogar verhindern? Viele Hinweise deuten darauf hin, dass die meisten Kreuzbandrisse kein Zufall sind und wir aktiv dagegen vorbeugen können. Es gibt etablierte Risikofaktoren und präventive Programme sind hoch erfolgreich.
Therapie von Kreuzbandrissen
Symptome & typische Anzeichen nach Kreuzbandriss
Die Anzeichen für eine Kreuzbandruptur können sehr unterschiedlich ausfallen. Neben starken Schmerzen kommt es nach einem Kreuzbandriss in den meisten Fällen zu einer starken Schwellung des Kniegelenks. Darüber hinaus können Betroffene meist nur noch humpeln. Manchmal ist bei einem Riss auch ein knackendes Geräusch oder gar lautes Knallen zu hören.
In manchen Fällen kann ein Kreuzbandriss auch unentdeckt bleiben. Wird dieser nicht behandelt, kommt es bei einigen Patienten zum sogenannten Giving way. Dabei bricht das Kniegelenk für eine Millisekunde nach hinten aus und zwingt den Betroffenen automatisch in eine Kniebeugung. Andere Patienten spüren wiederum fast gar nichts von ihrem Riss und leben jahrelang ohne ihr Kreuzband weiter.
Ein Kreuzbandriss ist also keine direkte Indikation zur OP, wenn man nicht operiert werden möchte. Im Endeffekt helfen zur Klärung nur medizinische Tests.
Kreuzbandriss diagnostizieren: klinische Tests und MRT
klinische Tests
Um einen Kreuzbandriss ohne bildgebende Verfahren – wie etwa durch ein MRT – zu diagnostizieren, haben sich folgende Standardtests in der Medizin etabliert:
Vordere Schublade: Bei diesem Test wird dein Knie auf 90° gebeugt und der Unterschenkel anschließend nach vorne gezogen. Gibt es keinen Anschlag, ist das Kreuzband wahrscheinlich gerissen.

Lachmann-Test: Du liegst auf dem Rücken während dein Knie auf 20° gebeugt ist. Nun wird der Unterschenkel gegen den Oberschenkel bewegt. Gibt es keinen festen Anschlag, ist das Kreuzband wahrscheinlich gerissen.

Pivot-Shift: Du liegst mit dem Rücken auf einer Liege. Der Arzt beugt das Kniegelenk an und rotiert den Unterschenkel dabei nach innen. Kommt es zu einem Vorschub der Tibia und zu einem Zurückschnappen, dann ist ein Kreuzbandriss wahrscheinlich.

MRT
Sobald dein klinischer Test für einen Kreuzbandriss auffällig ist, wird zur weiteren Absicherung in der Regel ein MRT durchgeführt. Dies ist ein nicht invasives Verfahren, mit dem über bestimmte Strahlung ein Bild von deinem Weichteilgewebe erstellt werden kann. Dort kann der Arzt gut sehen, ob dein Kreuzband gerissen ist oder nicht. Schwieriger ist die Erkennung von Meniskusrissen. Je nach Schnittbreite des MRTs „verstecken“ sich die Meniskusrisse zwischen den Aufnahmefenstern.
Ausfallzeit nach einem Kreuzbandriss
Nach dem Unfall kann die Ausfallzeit am Arbeitsplatz circa 4 Tage bis 2 Wochen dauern. Dies ist sehr individuell vom Schmerzzustand und der Schwellung abhängig.
Nach einer Kreuzbandriss OP betragen die Ausfallzeiten in der Regel 2-6 Wochen – je nach Operationstechnik und Empfehlung des Arztes. Dabei spielt es außerdem eine große Rolle, ob man einen Bürojob hat oder einer körperlichen Arbeit nachgeht, insbesondere mit vielen knienden Aktivitäten.
Die Ausfallzeit bis zur Wiederaufnahme des Sports ist sehr individuell zu betrachten und beträgt in der Regel 4-9 Monate. Dies hängt davon ab, wie schnell du die funktionellen Tests beherrscht und in welche Sportart du wieder einsteigen möchtest. Ein individuell auf die Sportart vorbereitendes Training beginnt im Zuge der Reha allerdings schon vorher.
Kann ein Kreuzband zusammenwachsen?
Bei einem kleinen Anriss kann das Kreuzband vernarben und „heilt“ von alleine.
Bei einem stärkeren Anriss oder Durchriss muss durch operative Maßnahmen der Einheilungsprozess des alten Kreuzbandes angeregt werden (Healing response) oder eine Sehne als Transplantat (Rekonstruktion) dienen.
Ein Kreuzband kann also in der Regel nicht von alleine wieder zusammenwachsen. So dachte man zumindest sehr lange. Inzwischen gibt es erste Ansätze das Kreuzband ohne OP wieder zusammen wachsen zu lassen mit der sogenannten „Cross bracing“ Strategie. Dabei wird dein Knie in 90° Knieflexion für einige Wochen fixiert. Die Ergebnisse müssen aber noch in weiteren Studien bestätigt werden bis es klinisch etabliert werden kann.
Kreuzbandriss ohne OP: wann kann konservativ behandelt werden?
Diese Frage kann jeder Mensch nur für sich selber beantworten. Grundsätzlich gilt heutzutage, dass ein Kreuzbandriss nicht mehr operiert werden muss. Eine Kreuzbandriss-OP reduziert nicht das Arthroserisiko, welches man lange angenommen hat. Eine Kreuzbandriss-OP ist auch kein Garant, dass du wieder leistungsstärker auf das Feld zurück kehrst. Eine OP kann auch zu deutlich mehr Problemen wie vorher führen durch Streckdefizite, falsch eingesetze Transplantate oder Problemen an der Entnahmestelle, insbesondere bei Operationen mit der Patellasehne.
Andere Personen kommen ohne OP wiederum gar nicht erst klar und fühlen sich erst nach der OP wieder stabil. Ein Transplantat kann durch die erhöhte Kniestabilität aber dafür sorgen, dass es weniger Meniskusrisse bei erneuten Knieverletzungen gibt. Du solltest die pros und contras abwägen und eine eigene Entscheidung fällen.
Weiterhin gibt es verschiedene persönliche Kriterien, die bei der Entscheidungsfindung helfen könnten:
- Welchen Sport betreibst du?
- Möchtest du deinen Sport weiterhin betreiben?
- Wie stabil fühlst du dich ohne dein VKB? (da gibt es große Unterschiede zwischen Betroffenen)
- Hast du genügend Zeit für eine Operation? Du solltest mit einer 6-monatigen Nachbehandlung rechnen, wenn du wieder eine Stop-and-Go-Sportart aufnehmen willst. Ansonsten dauert die Nachbehandlung ungefähr 2-3 Monate.
- Wie alt bist du? Macht es eher Sinn das VKB zu operieren wenn du ausgewachsen bist und die Wachstumsfugen geschlossen sind? Anmerkung: Es gibt Techniken und Ärzte, die so gut sind, dass an den Wachstumsfugen in der Regel nichts passiert. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer bestehen. Dein Arzt wird dich dazu beraten.
Operation bei Kreuzbandriss

Kreuzbandriss-OP: Wann ist eine OP sinnvoll?
Bei einem Kreuzbandanriss oder einem Ausriss am Femurknochen (auch proximaler Abriss genannt) sollte man möglichst zeitnah in den ersten 6 Wochen nach dem Unfall operieren, damit das Kreuzband wieder gut an den Knochen anwachsen kann. Wenn es eine Kreuzbandrekonstruktion wird, d. h. der Ersatz des Kreuzbandes mit Hilfe einer körpereigenen Sehne, dann ist der Zeitpunkt frei wählbar.
Wie läuft eine Kreuzband-OP ab?
Bei der Kreuzband-Op wird zunächst eine Sehne als Transplantat von einer Körperstelle entnommen. Dazu gehören die Hamstringsehne, die Patellasehne und die Quadrizepssehne. Anschließend wird dein altes Kreuzband entnommen. Um das Transplantat zu fixieren, werden im Oberschenkel und Unterschenkel zwei Löcher gebohrt. In diesen wird das Transplantat mittels Schrauben oder Endo-Buttons fixiert. Danach wird das Knie wieder zugenäht.
Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?
Prinzipiell unterscheidet man zwischen biologischen und herkömmlichen Verfahren zur Kreuzbandrekonstruktion.
Herkömmliche Rekonstruktionsverfahren
Diese Verfahren benötigen Fremdmaterialien. In der Regel werden dabei Schrauben oder Endo-Buttons zur Fixierung des Sehnentransplantats verwendet und körpereigene Sehnen als Transplantate.
Biologische Rekonstruktionsverfahren
Pressfit nach Hertel: Dabei wird ein kleines Knochenstück in den Femur gepresst, sodass Knochen auf Knochen einheilen können (nur bei Patellarsehnen-Transplantaten)
All Press Fit: Dabei wird das Sehnen-transplantat mit Knochendübeln verankert
Welche Transplantate gibt es? Vor- und Nachteile?
Für das Transplantat werden in der Regel drei unterschiedliche Sehnen verwendet. Jede Sehne hat dabei ihre Vor- und Nachteile. Da die Nachteile nicht unerheblich sind, wird auch häufiger darüber diskutiert das Ganze konservativ zu machen.
Hamstringsehne
In der Regel vom M. Semitendinosus. Diese befindet sich an der Oberschenkel-rückseite. Ein großer Nachteil ist, dass diese Muskelgruppe dem Schutz des Kreuzbandes dient und dieser Schutz dann schwächer wird.
Patellasehne
Wird vorne unterhalb vom Knie entnommen. In der Regel etwa 1/3 der Sehne. Führt vermehrt zu vorderen Knieschmerzen (X%). Aufbau der vorderen Muskelgruppe erschwert. Diese ist besonders wichtig für die weiteren Funktionen wie Gehen, Laufen & Springen.
Quadrizepssehne
Neue OP-Technik (~2015). Bis dato deutlich weniger Daten. Weniger Probleme mit vorderen Knieschmerzen, aber große Probleme die vordere Muskelgruppe wieder aufzubauen.
Wie lange dauert die Heilung nach Kreuzband-OP?
Die Heilung nach einem Kreuzbandriss-OP kann in unterschiedliche Aspekte eingeteilt werden. Zum einen gibt es die Einheilung des Knochen/ der Schraube / des Endobuttons in den Knochen. Die Verankerungen sind meistens nach 6 Wochen sehr fest verwachsen. Zum anderen wird das Transplantat, die Sehne, in eine bandähnliche Struktur umgebaut. Dieser Prozess dauert etwa 1-2 Jahre. In diesem Zeitraum nimmt das Transplantat auch deutlich an Rissfestigkeit ab und ist anfälliger für Rerupturen. Der dritte Aspekt betrifft die Kniefunktion. Diese richtet sich weniger nach physiologischen Prozessen, sondern nach deinem Trainingsengagement. Du musst dafür die Muskelkraft, die Tiefenwahrnehmung und die Bewegungsabläufe erneut aufbauen. Dies dauert in der Regel 6-9 Monate, wenn du wieder in eine Stop-and-Go Sportart einsteigen möchtest.
Die Heilungsdauer hängt auch noch von Begleitverletzungen beim Unfall ab. Dazu gehören Meniskusrisse, Knorpelschäden und Knochenhämatome. In der frühen Rehaphase kann Arthrofibrose ein Problem sein. In den späteren Phasen sind es eher chronische Knieschmerzen als auch Hamstringzerrungen.
Zu welchem Arzt für Kreuzband-OP?
Dies ist eine sehr schwierige Frage, denn selbst bei gut fundiertem Fachwissen, kann man nicht abschätzen, ob der Arzt auch handwerklich geschickt ist.
Empfehlungen und Erfahrungen von Teamkameraden, Freunden, Physiotherapeuten oder gar aus dem Internet sind hier sicherlich hilfreich. Die Häufigkeit durchgeführter VKB-Rekonstruktionen pro Jahr ist auch ein wichtiger Indikator für den Erfahrungsschatz des Operateurs. Grundsätzlich sollte man immer spezialisierte Kliniken wählen, um das Risiko von Fehloprationen zu minimieren.
Darüber hinaus spielt es auch eine Rolle, nach welchem Verfahren man sich behandeln lassen möchte, denn: kein Arzt beherrscht alle Operationstechniken und je nach Fall eignen sich bestimmte Operationstechniken besser.
Aus diesem Grund solltest du dir immer eine zweite Fachmeinung einholen, sofern du dir nicht sicher bist.

Rehabilitation nach Kreuzbandriss
Nach einem Kreuzbandriss folgt immer ein Aufbautraining – egal ob mit oder ohne Operation. Dieses Aufbautraining wird in der Regel in 5 Phasen unterteilt:
- Krafttraining
- Agilitytraining & Schnellkraft
- Sprungtraining
- Lauftraining
- sportartspezifische Vorbereitung
Spoiler: Die 2-3 Rezepte mit jeweils 6 Einheiten à 20 Minuten reichen definitiv nicht aus, um dich und dein Knie wieder fit zu bekommen. Du solltest deutlich mehr deiner persönlichen Zeit investieren, um noch lange ein gesundes Knie zu haben.
Phase 1: Die ersten Tage & Krafttraining
Was darf ich nach der OP machen?
In den ersten Tagen liegt der Fokus auf der Reduzierung der Schwellung, der Erhöhung des Bewegungsausmaßes und gegebenenfalls der Steigerung der Gewichtsbelastung. Dafür bist du einige Tage auf Krücken und darfst im schmerzfreien Bereich belasten. Du solltest mehrmals am Tag das Knie im schmerzfreien Bereich durchbewegen, um Arthrosefibrose vorzubeugen.
Welche Übungen kann ich in den ersten Tagen nach dem Kreuzbandriss absolvieren?
In den ersten Tagen liegt der Fokus auf der Reduzierung der Schwellung, der Erhöhung des Bewegungsausmaßes und gegebenenfalls der Steigerung der Gewichtsbelastung. Es gibt eine Reihe von Übungen, die du bereits in den ersten Tagen absolvieren kannst.
Zu beachten gilt, ob und welche Meniskusnaht bei dir gemacht wurde. Je nach Lokalisation und Rissart darfst du dein Bein in den ersten vier Wochen nämlich nur teilbelasten.
Streckung nach Kreuzband-OP
In den ersten Tagen liegt der Fokus auf der Beweglichkeit, insbesondere der Streckung. Nicht selten schleicht sich ein Streckdefizit von 5-10° ein. Häufig passiert dies in Kombination mit Arthrofibrose. Nach spätestens 6 Wochen solltest du wieder 0° erreichen. Dies ist essentiell für alle weiteren Bewegungen. Ohne Streckung kein physiologischer Gang und ungleiche Belastungen in den Kniegelenken. Einige Übungen für die Beweglichkeit und Aktivierung findest du in meiner Geschichte.
Krafttraining nach Kreuzband-OP?
Bei Entlastung schrumpft das Beinvolumen innerhalb weniger Tage stark zusammen. Insbesondere der Quadrizeps leidet unter der VKB-Operation. Doch wie baue ich nun mein Bein wieder am besten auf? Welche Fehler können einem unterlaufen? Worauf ist zu achten? Reicht Gerätetraining, wie oft praktiziert, wirklich aus? Warum ist die alleinige Kraft ein unzureichender Faktor? Warum schützen 190kg in der Kniebeuge nicht immer vor einem Kreuzbandriss?
Wann kann ich mit Krafttraining nach Kreuzband-OP starten?
Aus biomechanischer Sicht kannst du sehr schnell mit den meisten Übungen starten. Ein limitierende Faktor ist hingegen deine Physiologie, also wie viel dein Knie ertragen kann ohne anzuschwellen oder zu überhitzen. Erfahre hier mehr im Video.
Kniebeuge nach Kreuzbandriss: Knie vor oder hinter die Fußspitzen?
Tatsächlich gibt es bei dieser Frage kein richtig oder falsch. Allein die Zielfragestellung ist dabei wichtig. Bei hüftdominanten Übungen, wo das Knie hinter den Fußspitzen bleibt, wird das Knie entlastet – auch dein Kreuzband.
Im Laufe der Reha ist es aber auch sinnvoll die Kniebeugen kniedominant auszuführen, da du die Belastbarkeit der Knorpelstrukturen (insbesondere hinter Kniescheibe) für den Sport brauchst. Weiterhin stärkst du dann vermehrt den Quadrizeps, welcher wichtig für aufbauende Übungen ist.
Wann kann ich wieder voll belasten?
Das Transplantat selber hält extrem hohe Kräfte aus. Deshalb wurden in den letzten Jahren die Entlastungsphasen nach der OP auch immer mehr verkürzt. In erster Linie solltest du dich nach deinem Schmerzempfinden (ohne Schmerzmedikation!) und der Schwellung richten.
Aufpassen musst du dagegen bei kreuzbanderhaltenden Techniken. Da sollte eine längere Entlastung für das Zusammenheilen der Fasern an den Knochen erfolgen.
Wann kann ich wieder gehen?
Rein biomechanisch betrachtet, kannst du ab Tag 1 wieder ohne Krücken gehen. Das habe ich im obigen Video (Wann kann ich wieder trainieren) unter anderem dargestellt. Die Belastbarkeit des Transplantates ist ausgesprochen hoch. Aber physiologischer Sicht braucht dein Knie aber etwas mehr Zeit zur Regeneration. Schwellung und Schmerz werden dich daran hindern in den ersten Tagen voll zu belasten. Entsprechend sind diese aber ein guter Indikator wie schnell du die Belastung wieder steigern kannst – dazu gehört auch das Gehen. Erhöhe graduell das Gewicht auf den Beinen, wenn du mit Krücken läufst und taste dich graduell an weitere Gehstrecken ran. So verhinderst du unnötige Überlastungen.
Stabilitätstraining & Koordination nach Kreuzbandriss
In deinem ursprünglichen Kreuzband befanden sich viele Rezeptoren, die dem Gehirn Informationen über dessen aktuellen Zustand vermittelt haben. Diese Informationen sind wichtig und dienen zur Anpassung von weiterführenden Bewegungen.
Durch den Kreuzbandriss sind diese Leitwege nun unterbrochen und müssen neu verknüpft werden. Bei einer Kreuzbandplastik müssen sich auch im umliegenden Gewebe zunächst einmal neue Sensoren ausbilden. Dies erzielt man durch sensomotorisches Training. Dazu gehört Wackelbrettraining und einbeiniges funktionelles Training in den ersten Wochen. Später kommen dynamischere Übungen dazu. Findet nach der Operation kein (oder unzureichendes) sensomotorisches Training statt, besteht ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko und die Rerupturrate steigt. Der Wiederaufbau der Sensomotorik ist übrigens auch wichtig für das Zurückerlangen der Kraft.
Autofahren nach Kreuzbandriss-OP
In den ersten Wochen nach deiner Kreuzband-OP ist die Ansteuerung des Beins noch eingeschränkt. Hierzu gab es schöne Untersuchungen in einem Fahrsimulator. Nach 4-6 Wochen normalisieren sich die Werte zwischen frisch operierten und Gesunden.
Welche Trainingstools sind hilfreich?
Nicht jeder Mensch hat Zeit in ein Fitnessstudio zu gehen. Manche trainieren lieber erstmal alleine zu Hause. Es gibt eine Reihe von Trainingstools – wie Wackelbretter, Wackelkissen, Pezzibälle, TRX-Bänder usw. – die das Heimtraining deutlich effizienter gestalten können.
Um eine Langhantel, ein Reck und eine Klimmzugstange kommt man als Sportler dennoch nicht ganz vorbei. Die Kombination von Trainingseinheiten im Studio und zu Hause ist dann empfehlenswert.
Phase 2: Agilitytraining & Dynamik
Dynamische Kräftigungsübungen
Aufbauend auf den statischen Übungen aus der ersten Phase erfolgen nun dynamische Kräftigungsübungen. Sie dienen der Vorbereitung von komplexen Bewegungsmustern auf dem Feld. Dazu gehören explosive Kniebeugen und Ausfallschritte nach vorne und zur Seite. Sie sind wichtige Übungen für Sprünge und Wendemanövern.

Richtiges Landen nach Kreuzbandriss-OP
Weiter oben haben wir behandelt, dass bestimmte Bewegungsmuster mit Kreuzbandrissen assoziiert werden. Dazu zählt vorallem der dynamische Valgus. Weitere risikohafte Bewegungsmuster sind kniedominantes Landen und steife Landungen. Entsprechend solltest du neben Krafttraining auch die Bewegungsmuster schulen.
Phase 3: Sprungtraining
Springen nach Kreuzbandriss
Sobald du in den dynamischen Übungen fit bist und ausreichend Kraft im Oberschenkel hast, fängst du mit den ersten Sprüngen an. Zunächst beidbeinig, dann einbeinig. Beidbeinige Sprünge sind für viele noch gut zu bewältigen. Bei einbeinigen Sprünge hingegen können in den ersten Einheiten große mentale Hürden aufkommen. Eine Stepperhöhe reicht für die ersten Einheiten in aller Regel aus.
Dabei solltest du auf gewisse Kernelemente achten. Dazu gehören die Abfederung in Sprunggelenk und Hüfte, die gleichmäßige Belastung der Beine und keine X-Bein-Stellung.
Joggen nach Kreuzbandriss
Phase 4: Joggen nach Kreuzbandriss
Viele haben als erstes großes sportliches Ziel das Joggen vor Augen.
Verständlich! Denn immerhin ist Laufen die Grundform von vielen Sportarten. Viele Sportler fühlen sich beim Joggen zum ersten Mal mal wieder richtig in Bewegung.
Beim Laufeinstieg nach dem Kreuzbandriss gibt es einige Dinge zu beachten:
- Als VKB-Patient solltest du u. a. vorher ein Sprungtraining souverän absolviert haben.
- Bei den ersten Laufrunden solltest du eine kurze Strecke wählen.
- Hör auf deinen Körper und übertreibe es nicht, damit es zu keinen Schwellungen und Schmerzen kommt.
Vergiss nicht: Nichts ist ärgerlicher als ein Rückfall im Rehaverlauf! Gehe die Sache deshalb langsam an.
5. Zurück in den Sport
Sportspezifisches Training nach Kreuzbandriss
Bevor die Rückkehr zum Sport erfolgt, sollte das Training zunehmend an die Anforderungen der jeweiligen Sportart angepasst werden. Je nach Sportart können komplexere Bewegungen wie Zweikämpfe, unvorhersehbare Richtungsänderungen oder sportartspezifische Sprung- und Laufbewegungen hinzukommen. Damit bereitest du deinen Körper Schritt für Schritt auf die spezifischen Situationen vor, die im Sport tatsächlich auftreten.
Besonders wichtig sind solche Vorbereitungsübungen auch im Hinblick auf die Prävention eines erneuten Kreuzbandrisses. Dein Gehirn muss lernen, auch unter Ablenkung oder Zeitdruck eine gute Bewegungssteuerung beizubehalten. Ein typisches Beispiel: Du landest nach einem Sprung und konzentrierst dich bewusst auf deine Becken-Bein-Achse – die Landung sieht technisch sauber aus. Nun sollst du gleichzeitig einen Ball fangen. Ad hoc verändert sich deine Bewegungsstrategie: Die Becken-Bein-Achse wird ungünstiger und du landest möglicherweise mit deutlich weniger Beugung und damit steifer.
Der Grund: Bei der Bewegungsplanung und -steuerung stehen nur begrenzte kognitive Ressourcen zur Verfügung. Es ist daher nicht überraschend, dass Kreuzbandverletzungen häufig in komplexen und unvorhersehbaren Situationen entstehen können – beispielsweise wenn ein Gegner plötzlich den Laufweg kreuzt, der Ball anders als erwartet kommt oder gleichzeitig ein Zuruf verarbeitet werden muss.
Die Kombination aus einer motorischen Aufgabe und einer zusätzlichen kognitiven Aufgabe wird als Dual Tasking bezeichnet. Zunehmend wird diskutiert, ob solche kognitiv anspruchsvollen Situationen auch bei der Beurteilung der Return-to-Sport- bzw. Return-to-Play-Fähigkeit berücksichtigt werden sollten.
Wann darf ich wieder Sport nach Kreuzbandriss machen?
Früher wurde diese Frage nach rein zeitlichen Kriterien beantwortet. In der Regel wurden dabei 6-9 Monate anvisiert. Je nach Lust und Erfharung des Arztes. Es gibt nur wenig Literatur, nach der diese Zielangabe wissenschaftlich stützbar wäre. In der Untersuchung hat sich gezeigt, dass mit jedem Monat, den man später wieder einsteigt, das Wiederverletzungsrisiko geringer ist. Wenn man später als 9 Monate einsteigt, ist das Risiko um X% geringer.
In den letzten 10 Jahren sind die zeitlich Kriterien zunehmend in den Hintergrund gerückt. Statt dessen wird die Rückkehr nach funktionellen Kriterien bewertet. Dazu gehören Stabilitätstests, Krafttests, Sprungtests und Agilitätstest. Also alles Aspekte, die du zuvor in der Reha trainiert haben solltest.
Wie vielen schaffen es in ihren Sport zurück?
Nur 55% schaffen es nach einem Kreuzbandriss auf ihr altes sportliches Niveau zurück. Ein hoher Anteil der Betroffenen fängt irgendeine Form von Sport wie Laufen, Radfahren oder den ursprünglichen Sport auf einem niedrigerem Niveau wieder an.
Doch ist es das Ziel eines Sportlers unter seinem alten Niveau zu bleiben? Wohl eher nicht. Die Ursache hierfür liegt in den meisten Fällen bei einer mangelhaften Reha begründet. Kein Sprungtraining, kein Wendetraining und keine Sprintdrills. Wie soll ein Athlet ohne Angst in seine Sportart einsteigen, wenn die Grundfähigkeiten noch fehlen?
Sport ist, wenn die Operation gelungen ist, auch auf altem Niveau wieder absolut möglich. Dies erfordert aber ein gutes postoperatives Konzept sowie viel Geduld und Fleiß auf Seiten des Athleten.
Wie hoch ist die Gefahr von zweiten Kreuzbandrissen?
Die Gefahr für einen zweiten Kreuzbandriss ist in meinen Augen viel zu hoch. Studien berichten von 15 – 30%. Wenn man jetzt bedenkt, dass auch nur 55% überhaupt ihr altes sportliches Niveau schaffen, dann kann man sich errechnen, wie viel Prozent langfristig verletzungsfrei auf ihrem alten Niveau spielen werden. Schätzungsweise 40%.
Leider ist es nicht unüblich, dass auch ein Dritter passiert. In dem Video berichte ich über zusätzliche Herausforderungen bei mehrfachen Kreuzbandrissen.
Sollte ich nach einem Kreuzbandriss eine Bandage beim Sport tragen?
Bandagen können dein Knie positiv unterstützen. Sie stimulieren die Rezeptoren auf deiner Haut. Diese unterstützen die Bewegungsplanung in deinem Gehirn durch zusätzlichen Input von Informationen.
Dies ist aus wissenschaftlicher Perspektive sinnvoll, da die Rezeptoren bis zu 2 Jahren brauchen, um sich wieder voll neu auszubilden. Viele Sportler neigen aber nach einem Kreuzbandriss dazu innerhalb von 6-12 Monaten wieder in den Sport einzusteigen. In diesem Fall ist eine Bandage dann sinnvoll, da sie das sensomotorische Defizit etwas behebt.
Sie sollte so viel wie nötig und so wenig wie möglich in meinen Augen getragen werden. Insbesondere für den Wiedereinstieg auf dem Feld ist sie sinnvoll. Mit der Zeit kann das Tragen graduell reduziert werden. Erst im Warm-Up, später in komplexeren Übungen. Im Aufbautraining hat sie dagegen in meinen Augen nichts zu suchen, außer Sie hilft gegen Schmerzen oder wird übergangsweise eingesetzt. Das Erlernen der eigenständigen Stabilität ist nach einem Kreuzbandriss essentiell, um weiteren Verletzungen vorzubeugen und unabhängig von Hilfsmitteln zu sein.
Komplikationen nach Kreuzbandriss
Bei einer mangelhaften Operation oder Rehabilitation, kann es auch zu Einschränkungen im alltäglichen Leben kommen: So beeinträchtigen ein Instabilitätsgefühl, Giving way oder Fremdheitsgefühl gegenüber dem anderen Knie die Lebensqualität. Du fühlst dich unsicher und dein Knie fühlt sich nicht wie deins an. Es wird vermutet, dass dies durch gestörte Verarbeitungsprozesse in der Bewegungsplanung kommt. Signale werden nicht mehr so gut an das Gehirn geleitet und das Gehirn braucht mehr Kapazitäten um eine Bewegung zu planen.
Arthrose nach einem Kreuzbandriss
Es ist keine unberechtigte Frage, ob es nach Schäden am Kreuzband zu Langzeitfolgen kommen kann.
Die häufigsten Komplikationen nach einem Kreuzbandriss sind Verschleißerscheinungen am Meniskus und am Knorpel. Dabei spielt es nach aktuellem Wissensstand keine Rolle, ob eine Operation durchgeführt wurde oder nicht. Das Risiko für Arthrose in den nächsten 10-20 Jahren ist deutlich erhöht.
Leider gibt es nur wenig Studien, die einen Zusammenhang zwischen funktionellen Bewegungsmustern und Arthrosebildung untersucht haben. Es gibt eine Untersuchung die zeigt, dass eine gute Kniefunktion post-OP mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Arthrose korreliert. Die Optimierung von funktionellen Bewegungsabläufe kann weiterhin die Symptome, die bei einer Arthrose vorherrschen, reduzieren.
Noch ein interessanter Fakt am Rande: „Athleten aus Stop-and-Go Sportarten hatten weniger Arthrose als Leute, die dieses Niveau nicht mehr anstrebten.
Stop-and-Go Sportler hatten weniger Arthrose als die Kontrollgruppe!
Man geht sehr stark davon aus, dass die Stop-and-Go Sportler eine intensivere Reha durchlaufen haben und dadurch ihr Knie funktionell stabiler war. Dies wäre also ein Beleg dafür, dass wir unser Knie nicht schonen sollten, sondern funktionell das Optimum rausholen sollten, um uns wieder voll belasten zu können und Gelenkgesundheit zu fördern! Reha ist verdammt wichtig!
Prävention von Kreuzbandrissen
Auch beim Kreuzbandriss gilt: Vorbeugung ist die beste Medizin.
So wurde in den letzten 15 Jahren viel Zeit und Geld in die Kreuzbandriss-Forschung gesteckt. Es wurden Risikofaktoren ermittelt und anschließend Trainingstechniken untersucht, um die Risikofaktoren zu vermindern.
Aus diesen Risikofaktoren wurden präventive Trainingsprogramme abgeleitet. Bekannte Programme sind das FIFA 11+, das Kieler-Handball-Programm und das Stop X.
Mit einem unfassbaren Erfolg. Die Verletzungen reduzierten sich in den meisten Untersuchungen signifikant, teilweise bis zu 50%. Und das in verschiedenen Stop-and-Go Sportarten. Dies zeigt, dass Reha dich noch ein lebenlang begeleiten sollte.
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Fachlich geprüft und aktualisiert von Dr. Christina Frese
Dr. Christina Frese ist spezialisiert auf die Rehabilitation und Prävention von Knieverletzungen, insbesondere auf chronische Knieschmerzen im Volleyball, Biomechanik und Trainingstherapie. Sie verfügt über wissenschaftliche Publikationen und Kongressbeiträge im Fachbereich Biomechanik.
Qualifikation: B.Sc. Orthobionik · M.Sc. Biomechanik, Motorik und Datenanalyse
Artikel aktualisiert am 03.09.2026






Hallo fitnesswarrior Team,
Vielen Dank für all eure Artikel!
„Die häufigsten Komplikationen nach einem Kreuzbandriss sind Verschleißerscheinungen am Meniskus und am Knorpel. Dabei spielt es nach aktuellem Wissensstand keine Rolle, ob eine Operation durchgeführt wurde oder nicht.“
Was ist dazu die Quelle?
Man liest und hört doch sehr häufig, dass es ohne bzw. mit ausgeleiertem Kreuzband zu „Micro-Bewegungen“ kommt, die das Knie zusätzlich belasten.
Die „Schwedische Studie“ die häufig als Gegenargument angeführt wird, wird häufig auf Grund ihrer fehlenden Langzeit Betrachtungen kritisiert. (Bzw. die „Langzeitbetrachtungen“ wären mit zwei Jahren viel zu kurz.)
Hallo Tobias,
Danke deinem (auch sehr konstruktivem) Kommentar! Ich habe diverse Studien als Grundlage für diese Aussage genommen. Dieses Thema wird bald in einem längeren pdf, wo es rund um die Operation geht genauer behandelt. Dabei äußere ich mich dann auch noch mal differenzierter zu dem Thema. Ich habe auch nicht geschrieben, dass eine OA mit Operation genau so wahrscheinlich ist wie ohne… sondern nur…egal ob konservativ oder operativ… das Risiko ist deutlich erhöht.
Die Studienlage ist recht widersprüchlich. Eine Operation nur zur Meniskuserhaltung, wenn man z.B. totale Angst vor Operationen hat und man baut danach nur seiner Muskulatur bedürftig auf, dann ist man ohne OP vielleicht besser dran. Denn die Schäden (neuromuskulär, Sauerstoff gelangt in die Gelenkskapsel und stört die Biochemie etc.), die bei der Op auch entstehen, müssen über Wochen durch ein spezielles Training wieder behoben werden. Alleine die Bewegung des Kniegelenks am Anfang und der Muskelaufbau des Quadrizeps in die Exzentrik kommt häufig viel zu kurz. Das führt dann auch zu funktionellen Problemen und damit erhöhter Abnutzung der Menisken.
Ein weiterer Faktor ist das Transplantat selber oder die Operation. Mir kam von einem Vorsitzenden im Physiotherapeutenverband in Bayern zu Ohren, dass angeblich 80% (ich war richtig erschrocken, falls das stimmen sollte!) der Kreuzbänder nicht optimal eingesetzt sein. Zu kurz, zu lang, nicht der passgerechte Winkel… wie viel besser dann die Biomechanik mit dem VKB ist und den Meniskus schützt, ist dann fraglich. Wenn mich sich den amerikanischen Trend der „Keep it simple and stupid“ Mentalität anguckt und den Zeitdruck dazu nimmt, will ich es nicht ganz von der Hand weisen, dass die Versorgung nicht optimal sein könnte. Da kann man nur Augen und Ohren offen halten und beten, dass der Arzt vor einem sein Handwerk kennt und den Tag ausgeschlafen ist 😉 Immer mehr wird den Ärzten durch die amerikanischen Firmen vorgelebt und worum es den Firmen primär geht ist ja klar. Auch dazu äußere ich mich dann noch mal im Text zu konventionellen und biologischen Verfahren.
Bei den Scherbewegungen hast du absolut recht. Auch dazu äußere ich mich im pdf. Ich zitiere dir hier mal den Text und hänge dir zwei Studien an.
„Nichtsdestotrotz haben die Kreuzbänder eine wichtige stabilisatorische Funktion und ich würde auf lange Sicht jedem Sportler raten sich einer Operation unterziehen zu lassen, da die mechanische Führung des Kniegelenks bei Beuge- und Streckbewegungen primär über das hintere und vordere Kreuzband geleistet wird. Die Bedeutung der Kreuzbänder in Bezug zur Erhaltung der Menisken und Knorpel wird aus folgender Studie deutlich: 10 Jahre nach der Verletzung mussten bei (Knien ohne Kreuzbänder )15 von 19 Sportlern Teile des Meniskus entfernt werden, 13 von 19 Patienten hatten nach 20 Jahren eine chondrale Arthrose von Grad 4 und 10 bekamen ein neues Kniegelenk (Nebelung & Wuschech 2005). Da das vordere Kreuzband 80% des Widerstandes bei einem Flexionswinkel zwischen 30-90° gegen die vordere Schublade ausmacht, kommt es ohne dieses zu Scherbewegungen und Abnutzungserscheinungen der Menisken(Simon et al. 2015). Die Studienlage über die Verhinderung einer Osteoarthrose durch eine Operation im Gesamten ist kontrovers, weil unterschiedliche Analysemethoden verwendet werden und teilweise begleitende Faktoren nicht genug mit berücksichtigt werden. In einer Metaanalyse jedoch, die weitere Faktoren wie Begleitverletzungen, Sportarten, die postoperative Nachsorge und die Operationstechnik mit einbezieht, zeigt sich, dass das Risiko einer Osteoarthrose ohne OP noch höher ist als mit. Das Risiko einer OA ist bei doppelt reversierten Patienten dann besonders hoch. (Simon et al. 2015)(Ajuied et al. 2014)“
Simon, D. et al., 2015. The Relationship between Anterior Cruciate Ligament Injury and Osteoarthritis of the Knee. Advances in Orthopedics, 2015
Ajuied, A. et al., 2014. Anterior cruciate ligament injury and radiologic progression of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Am J Sports Med, 42(9), pp.2242–52. Available at: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24214929.
Ich hoffe, ich konnte nun etwas dein Anliegen klären? Sobald das pdf draußen ist, werden wir natürlich direkt auf diese verweisen. In der Übersichtsseite wollten wir es nur kurz halten :)!
Viel Spaß beim weiteren Lesen und danke für das Vertrauen!
Christina
Hallo,
vielen Dank für diesen informativen Artikel. Ich hatte bereits zwei Kreuzbandrisse. Beim ersten mal wollte ich nicht operieren gehen, da ich total Angst davor hatte und mein Arzt meinte, dass es nicht notwendig sei. Ich muss noch ergänzen, dass ich viel Sport treibe, und auch zwei Mal die Woche Fußball spiele. Nach einem Jahr Pause habe ich wieder angefangen meine Muskeln langsam aufzubauen. War auch bei der Physio, etc. Beim ersten Skiausflug hab ich mir dann das Kreuzband wieder gerissen. Hatte dann auch eine OP und einen anderen Arzt uuund einen anderen Physiotherapeuten. Hier finde ich muss man echt auf die Referenzen und die Qualität achten. Ich war dann damals in München bei GZM Physio, die ich echt allen empfehlen kann die aus München oder dem Umkreis kommen. Auch die meinten dann zu mir, dass ich bereits beim ersten Kreuzbandriss operieren hätte gehen sollen. Vor allem wenn man sportlich ist. Also ich versteh manche Ärzte echt nicht!
Gruß Martin
Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag über den Kreuzbandriss. Ich habe mir bei vor ein paar Monaten das Kreuzband im Fußballtraining gerissen und der Wiederaufbau nach dem Unfall ist zwar mühsam, aber es geht aufwärts. Interessant, dass durch den Kreuzbandriss Leitwege zum Gehirn unterbrochen sind und durch Training neu verknüpft werden müssen.
Freut mich zu hören, dass dir die Artikel weiter helfen. Nur nicht aufgeben!
Hallo und vielen herzlichen Dank für all die Infos zum Kreuzbandriss! Ich habe heute erst das MRT zur genauen Diagnosestellung, aber mich treibt seit meinem Sturz eine Frage um, die ich wirklich nirgends beantwortet finde (vielleicht ist sie für viele zu banal, aber für mich extrem wichtig): ab wann kann ich wieder zügig mit meinem Hund Spazierengehen?? Ist dies mit Orthese zeitnah möglich? Zudem fahre ich Dogscooter – gibt es hierzu Erfahrungswerte? Ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort freuen, auch wenn sie nicht sportspezifisch ist.
Viele Grüße Inga